Standort Rumänien – eine Chance für deutsche Unternehmen

Dezember 14, 2021 | Allgemein

Die Pandemie hat viele gewachsene Strukturen international agierender Unternehmen infrage gestellt. Vor allem die Supply Chains leiden. Viele Arbeitgeber und forschende Unternehmen sehen sich daher innereuropäisch nach neuen Standorten um. Warum Rumänien eine gute Wahl sein kann, erklärt Sebastian Metz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Auslands-Handelskammer (AHK) Rumänien, im Gespräch.

Die Auslands-Handelskammer treibt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Rumänien voran. Sie ist Ansprechpartnerin für alle deutschen Unternehmer, die am Standort Rumänien Interesse haben. Ihre Angebote und Plattformen ermöglichen das dringend benötigte Networking für einen guten Start in der Wirtschaft des Landes. Außerdem setzt sich die AHK gegenüber den rumänischen Behörden für die deutschen Wirtschaftsinteressen ein, um langfristig die Rahmenbedingungen zu verbessern.

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Corona und die Supply Chains

Zahlreiche Unternehmen, die in Deutschland ihren Hauptstandort haben, beziehen Bauteile oder Rohstoffe aus Niederlassungen in anderen Ländern. Oft wurde die Produktion auch komplett oder teilweise ausgelagert. Während der Pandemie zeigten sich die Schattenseiten dieses Vorgehens: Je weiter entfernt das jeweilige Land lag, desto schwieriger wurde es, die Supply Chains aufrechtzuerhalten. Der Flugverkehr kam in weiten Teilen zum Erliegen, der Schiffsverkehr nahm zu, und es zeigte sich auf schmerzhafte Weise, wie eng das Nadelöhr im Suezkanal tatsächlich ist.

Dies ist einer der Gründe dafür, weshalb eine große Anzahl deutscher Unternehmen sich innerhalb Europas nach Alternativen umzusehen begann. Hier rückt Rumänien immer mehr in den Fokus. Mancher Unternehmer hatte bereits vor der Pandemie die Vorzüge des Landes erkannt. Durch den Gedanken des Nearshoring allerdings wächst ihre Zahl seit 2020 beträchtlich an.

Die Vorteile des Standorts Rumänien für deutsche Unternehmen

Rumänien bietet diverse spannende Anreize für deutsche Unternehmer: Die Produktionskosten sind im Vergleich mit mitteleuropäischen Ländern ausgesprochen moderat. Auch steuerlich ist die Arbeit in diesem Land attraktiv. Gleichzeitig ist Leben und Arbeiten auf einem sehr hohen Niveau möglich: An Effizienz und Vielfalt steht die Produktion in Rumänien der in Deutschland in nichts nach.

Dabei ist es zu kurz gedacht, rumänische Standorte nur als Verlängerung deutscher Werkbanken zu betrachten. Im Laufe der letzten Jahre haben sich die Investitionen internationaler Unternehmen hier stark erweitert, wie Sebastian Metz erklärt:

„Was ich auch sehe, sind zunehmende Forschung- und Entwicklungsaktivitäten von deutschen Unternehmen in Rumänien.“

Die damit einhergehenden Chancen erkennen immer mehr deutsche Unternehmer. Der Transformationsprozess Rumäniens in der Wahrnehmung deutscher Wirtschaftsgrößen war schon vor der Pandemie in vollem Gange und hat sich durch Corona wegen der räumlichen Nähe zu Mitteleuropa noch einmal verstärkt.

Interessant für viele Branchen

Nicht nur durch die Pandemie sind die Rahmenbedingungen der deutschen Wirtschaft für viele Branchen schwieriger geworden. Die Automobilindustrie beispielsweise gerät zunehmend unter Druck. Viele Unternehmen hier richten den Blick auf die Möglichkeiten, die die rumänische Wirtschaftslandschaft ihnen bietet. Gleiches gilt etwa für die Metall verarbeitende Industrie sowie für Kautschuk und Plastik verarbeitende Unternehmen. Die AHK Rumänien stellt ein steigendes Interesse fest – und zwar nicht nur, was die Produktion angeht, sondern auch, was Forschung und Entwicklung betrifft. Sebastian Metz ist sich zudem sicher, dass binnen kurzer Frist auch vermehrt Dienstleistungsunternehmen auf die Potenziale des Landes aufmerksam werden.

Ein Land im Aufbruch

Das Land am Schwarzen Meer ist nicht nur für ausländische Investoren interessant: Vor allem in und um Bukarest, Cluj oder Timişoara gibt es eine sehr dynamische Szene von rumänischen Start-ups, die den Markt befeuern und voranbringen. Diese Gegend ist damit auch für deutsche Unternehmer von Interesse, die spannende und gewinnbringende Geschäftskontakte suchen. Allerdings gibt es je nach Branche auch zahlreiche andere Standorte, die infrage kommen. Welche das sind, beantwortet die AHK Rumänien Interessierten gern.

Im Bereich Image ist noch viel zu tun

Für manche Unternehmer in Deutschland ist Rumänien noch ein unbeschriebenes Blatt. Oft wird die Frage gestellt, wie es um die Sicherheit im Land stehe. Das bedauert Sebastian Metz:

„Rumänien ist ein wunderschönes Land, es ist sicher und man kann hier gut leben.“

Allerdings, so räumt er ein, hat das Land bislang seine Imagepflege stark vernachlässigt: Es werden kaum Investitionen getätigt, um das Bild Rumäniens nach außen hin zu verbessern.

Er selbst hielte es für richtig, wenn Rumänien sich stärker für eine positive Außenwirkung einsetzte, um mehr internationale Investoren anzulocken: Wenn sich hier mehr Unternehmen verschiedener Branchen und mit Hauptstandorten in unterschiedlichen Ländern niederlassen würden, würde die Wirtschaft des Landes von der Diversität und vom Austausch profitieren. Entsprechend empfiehlt das Vorstandsmitglied der AHK Rumänien auch allen deutschen Unternehmern, die hier eine Niederlassung haben, für das Land zu werben.

Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

Wie viele andere europäische Länder auch hat Rumänien noch eine Menge ungenutzten Potenzials, was die Verbindung von IT und Wirtschaft betrifft. Die Entwicklungen auf dem IT-Sektor sind rasant, allerdings werden noch nicht genügend mögliche Synergien zwischen IT- und Wirtschaftsunternehmen genutzt.

„Momentan sehe ich eher zwei parallele Straßen mit wenig Interaktion miteinander“,

kommentiert Sebastian Metz. Von Fortschritten in diesem Bereich wird das Land zukünftig profitieren – hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten von rumänischen und ausländischen Unternehmen.

Vom Wirtschaftswachstum profitieren

Das Wirtschaftswachstum in Rumänien lag 2020 über dem aller anderen EU-Länder. Auch 2021 kann das Land mit seiner wirtschaftlichen Lage durchaus zufrieden sein. Das ist ein zusätzlicher Anreiz für deutsche Unternehmer, sich hier ein weiteres Standbein aufzubauen. Innovative Unternehmer, die sich um einen Austausch und eine Kooperation mit Unternehmen vor Ort bemühen, können sich hier Möglichkeiten erschließen, die zu spannenden neuen Entwicklungen führen.

Rumänien: Mittelfristig eine gute Option

Deutsche Unternehmer, die sich aktuell dazu entschließen, in Rumänien eine Niederlassung zu eröffnen, können mittelfristig stark davon profitieren. Die neue strukturelle Ausrichtung internationaler Supply Chains auf den innereuropäischen Markt hat gerade erst begonnen. Es ist eine langfristige Planung notwendig, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, aber der Anfang ist gemacht. Rumänien kann hier eine bedeutende Rolle spielen. Sebastian Metz empfiehlt deutschen Unternehmern daher, das Land vorurteilsfrei und aufgeschlossen zu bereisen.

Moderation

Stephan Albrecht, Marketing Manager,
Staufen.ValueStreamer GmbH

Gast

Sebastian Metz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied,
AHK Rumänien

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