Zukunft der Supply Chain

Kontraktlogistik_DB_Schenker
STAUFEN MAGAZINE 2022 | No. 5 | DB Schenker | Input

 

„DIese herausforderung können wir nur gemeinsam lösen.“

Seit Jahren kommen die Lieferketten nicht mehr zur Ruhe. Schlagartig unterbrochene Handelswege, fehlender Nachschub und politische Unsicherheiten stören das einst fein austarierte Geflecht internationaler Warenströme. Damit künftig wieder ein sicherer und planmäßiger Güterverkehr gewährleistet werden kann, müssen Kunden und Dienstleister einen kollaborativen Ansatz wählen, davon ist Ole Trumpfheller, EVP Contract Logistics & Supply Chain Management Deutschland/Schweiz, von DB Schenker überzeugt. 

Ole Trumpfheller

Ole Trumpfheller

EVP Contract Logistics & Supply Chain Management Deutschland/Schweiz

DB Schenker

Herr Trumpfheller, die Logistiker stehen angesichts angespannter Lieferketten unter Druck. Sind Sie derzeit eher Buhmann oder letzte Hoffnung für Ihre Kunden? 

Die Logistikfirmen machen sehr viel möglich, und das wissen unsere Kunden auch zu schätzen. Die Kolleg*innen von der Luftfracht zum Beispiel sind eindeutig Heilsbringer, weil sie innerhalb kürzester Zeit flexibel reagieren und Lieferketten am Laufen halten. In der Kontraktlogistik sind wir von Dienstleistern, Kapazitäten und Auslastungen abhängig. Die Gemengelage ist also sehr komplex und wird geprägt von einer schwankenden Verfügbarkeit wichtiger Teile, von politischen Unsicherheiten und einschneidenden Veränderungen wie etwa dem Umstieg auf die E-Mobilität. Kurz: Wir sind in einer Phase des Umbruchs und die vergangenen zweieinhalb Jahre waren – was die Supply Chain betrifft – extrem spannend und für uns alle neu. 

Können Sie noch langfristig planen oder nur kurzfristig reagieren? 

Einige externe Faktoren wie der blockierte Suezkanal oder ein rigoroser Lockdown chinesischer Häfen hatten und haben dramatische Auswirkungen und bringen die Lieferketten weltweit aus dem Takt. In solchen Situationen müssen sich OEMs auf Lieferanten wie DB Schenker verlassen. Wir können Ausweichpläne erstellen, Kapazitäten zur Verfügung stellen und die Supply Chain irgendwie am Laufen halten. Das kann je nach Einkaufspolitik der OEMs schwierig und mitunter extrem herausfordernd werden. Zum Beispiel dann, wenn wie im Falle vom Krieg in der Ukraine europaweit plötzlich Kabelbäume in der Automobilproduktion fehlen. Grundsätzlich arbeiten wir aber immer partnerschaftlich zusammen. Verträge in der Logistik und Distribution laufen meist über mehrere Jahre – dies bedingt viel Vertrauen zum jeweiligen Vertragspartner. 

WIE KANN SICH DAS GESAMTSYSTEM VERBESSERN? KÖNNEN SIE ALS DIENSTLEISTER DEN DRUCK AUS DEN LIEFERKETTEN NEHMEN ODER GEHT DAS NUR GEMEINSAM MIT IHREN KUNDEN? 

In den vergangenen 20 Jahren war das Geschäft sehr transaktionsgetrieben. Das Ziel: Kosten reduzieren. Wir müssen nun aber vom Schwarz-Weiß-Denken wegkommen und die Supply Chain ganzheitlich als Kollaborationsgemeinschaft betrachten, in der wir die einzelnen Stationen der Lieferkette partnerschaftlich steuern. Ich sehe da Parallelen zum Industrie-4.0-Ansatz, bei dem Informationen in Echtzeit ausgetauscht und bearbeitet werden. Positiv ist, dass ich bei vielen OEMs bereits Tendenzen dahingehend sehe, flexiblere und gemeinschaftlichere Modelle zuzulassen – und zwar im operativen Bereich genauso wie im Einkauf. 


DB Schenker ist heute bereits mehr als nur Teilelieferant, das Unternehmen übernimmt auch Aufgaben in der Montage. Wird die Rolle des Logistikers in der künftigen Supply-Chain-Welt noch wichtiger? 

Das kommt auf die einzelnen OEMs an. Manche Unternehmen betrachten die Supply Chain als wichtiges Instrument, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steuern. Das hat einen großen Einfluss auf die Dienstleister und die Intensität der Zusammenarbeit mit den Logistikern. Im Automobilbau könnte die Transformation zur E-Mobilität diese Partnerschaft auch teilweise wieder lockern, weil die Komplexität in der Lieferkette mutmaßlich sinken wird. Und dann gibt es auch OEMs, die aktuell Teile der Logistikdienstleistungen wie zum Beispiel IT-Systeme oder Infrastrukturen verstärkt wieder insourcen. Jedes Unternehmen verfolgt also seinen ganz eigenen Weg. 

Für die Industrie wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Wie wirkt sich das auf DB Schenker aus? 

Das Thema ESG genießt bei uns oberste Priorität. Einerseits drängt der Kunde darauf, andererseits erhöht auch der Gesetzgeber den Druck – Verpackungsgesetz, Lieferkettengesetz etc. Wir stehen also vor der Frage, wie wir die Logistik emissionsfreier gestalten können – und zwar in jedem Bereich, egal ob Straße, Luft- oder Seefracht. Wir investieren dabei kontinuierlich in umweltfreundlichere Produkte und innovative Transportlösungen. Die kurzfristige Herausforderung liegt darin, den Betrieb sicherzustellen und gleichzeitig neue Technologien im Testbetrieb laufen zu lassen. In wenigen Jahren werden wir dann wissen, was der neue Industriestandard sein wird. Auch hier gilt wieder: Damit wir die Werke der Unternehmen klimaneutral beliefern können, ist eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Industrie notwendig. Diese Herausforderung können wir nur gemeinsam lösen. 

Freight airplane flying above overseas shipping container

Das Unternehmen

DB Schenker gehört mit rund 76.100 Beschäftigten an über 1.850 Standorten in über 130 Ländern zu den führenden Logistikdienstleistern weltweit. Im Jahr 2022 feiert DB Schenker das 150. Firmenjubiläum. In der Kontraktlogistik bietet DB Schenker ein umfangreiches Angebot von maßgeschneiderten Lösungen für Industrie und Handel. Das Leistungsangebot umfasst alle Stufen der Wertschöpfungskette – von der Beschaffungs- und Produktions- über die Distributionslogistik bis hin zum After-Sales-Service. 

76.100

Beschäftigte

1850

Standorte

130

Länder

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Magazinartikel ZU DB Schenker

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