Supply Chains entwickeln sich seit Jahren immer stärker zu mehrdimensionalen, komplexen und globalen Wertschöpfungsketten. Wie schnell diese an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangen, bekommen Unternehmen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Verwerfungen gerade schmerzhaft zu spüren.
Schon angesichts der ersten Corona-bedingten Lockdowns mussten viele Unternehmen einräumen, sich beim Thema Sourcing zu lange auf der sicheren Seite gewähnt zu haben. Spätestens aber mit den infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine explodierenden Energie-, Rohstoff- und Transportkosten hat ein branchenübergreifendes Umdenken eingesetzt.
der Wettbewerb spielt sich heute zwischen Netzwerken ab, nicht mehr zwischen einzelnen Unternehmen.
Thomas Spiess
Mitglied der Geschäftsführung, Staufen.Inova AG
Mehr Flexibilität und Agilität innerhalb der Supply Chain
Zwei Unternehmen, die für ihre Lieferantenbeziehung ein neues gemeinsames Konzept entwickelt haben, sind ABB / Accelleron (ehemals ABB Turbocharging) und die Benninger Guss AG. Turbo Systems ist Marktführerin in der Herstellung und dem Unterhalt von Turboladern von 500 kW bis 80+ MW für Diesel- und Gasmotoren. Derzeit sind bei Kunden weltweit ca. 200.000 von Turbo Systems produzierte Turbolader im Einsatz. Produktionsstandorte befinden sich in der Schweiz, China sowie Indien. Daneben verfügt Turbo Systems über eine Serviceorganisation mit einem zentralen Hub in Baden (Schweiz) sowie mehr als 100 Servicestellen in über 50 Ländern mit 1.200 Servicetechniker*innen.
Speziell im Servicegeschäft kommen noch weitere Faktoren wie die Attraktivität des Portfolios auf dem Beschaffungsmarkt (High Mix / Low Volume, geringe Planbarkeit / sporadischer Bedarf, breites Produktportfolio, aktuell ca. 3.500 aktive Spezifikationen von Eisengussbauteilen) hinzu. Der gewünschte Servicegrad konnte daher durch eine herkömmliche Value Chain nur bedingt generiert werden. Die beiden Firmen erarbeiteten gemeinsam ein Supply-Chain-Konzept, um die Lieferperformance zu steigern, Qualitätsabweichungen zu reduzieren sowie die Flexibilität und Agilität innerhalb der Supply Chain zu erhöhen.
Die wesentlichen Erfolgsfaktoren waren:
Strategische Partnerschaft
Klare taktische und operative Rahmenbedingungen, mittel- und langfristige Portfolioplanung, enge Zusammenarbeit bei Lieferschwierigkeiten
Technische Lösungen
Clusterung des Produktportfolios, gedruckte Kerne und Formen oder Hybridlösungen, verkürzte Einfahrzyklen
Logistische Lösungen
Durchgehende Transparenz bezüglich Bestand/Bedarf, Flexibilität bei der Produktionsplanung, Lagerung auf tiefstmöglicher Wertschöpfungsstufe
Total Cost of Ownership
Optimierung der Investitionskosten, Reduktion der Kapitalbindung
Kundennutzen
Steigerung der Lieferfähigkeit auf Kundenwunschtermin hin, rasche Lösungen bei unerwartetem Bedarf / Non-Mover-Bauteilen
Die beiden Initiatoren Tobias Schoch (ehemals Turbo Systems) und Eric von Ballmoos (Benninger Guss) sehen heimische Fertigungsnetzwerke und standortnahe Supply Chains in vielen Bereichen klar im Vorteil und sind überzeugt davon, dass Netzwerke, die gemeinsame Interessen verfolgen, innovativer, stabiler und nachhaltiger sind.
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