Was muss zukünftiges Supply Chain Management können?

Juni 28, 2021 | Allgemein, Podcast

Innovative Supply Chains zeichnen sich aus durch starke Kundenorientierung, exzellente Performance sowie hohe Flexibilität und Agilität gegenüber neuen Markt- und Umfeldanforderungen. Entwickelt man die Supply Chain vom Kosten- zum Erfolgsfaktor, kann sie zum integralen Bestandteil der Wettbewerbsstrategie werden.

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Herr Spiess, was versteht man unter Supply Chain Network Management?

Die ursprüngliche Vorstellung einer Supply Chain war die einer Kette, wo ein Unternehmen in der Mitte sitzt und nach hinten zu den Lieferanten schaut und nach vorne zu den Kunden. Heute ist die Welt viel komplexer. Es gibt keine linearen Ketten. Es handelt sich eher um Verflechtungen, die über mehrere Dimensionen miteinander verbunden sind. Diese mehrdimensionale Vernetzung mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen muss koordiniert und gemanagt werden. Bei Global End-to-End geht man vom Endkunden aus und zurück über alle Distributionsstufen bis zum Rohmaterial. Und das in parallel geführten Supply Chains. All das muss vom Supply Chain Network Management überblickt und orchestriert werden.

Was sind die wichtigsten Elemente im Supply Chain Network Management?

Nun, es gibt Unternehmen, die haben z. B. 40 Werke in verschiedenen Divisionen auf verschiedenen Kontinenten. Dazu kommen Tausende von Lieferanten und Hunderte von Absatzkanälen und Kunden. Um in diesem Gebilde den Überblick zu behalten, braucht es Transparenz und Struktur. Wie sieht der Einzel-Footprint aus? Ist das Werk eine Fabrik, ein Distributionszentrum, ein Zuliefererwerk oder ein Verteilungswerk? Diese Footprints zu verstehen und zu strukturieren ist ein wichtiges Element beim Supply Chain Network. Ein weiteres Element ist dann das Network Management an sich. Wie führt man denn dieses Netzwerk? Wer hat welche Rolle an welchem Standort? Wie führt man vor Ort? Wie steuert man global? Stichwort Sales & Operations Planning. Wo kommen die Bedarfszahlen her? Wie werden sie an die Werke weitergeleitet und was passiert dann dort damit? Diese Planungen werden oft nur am Standort gemacht, nicht aber end-to-end über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dem Informationsmanagement kommt deshalb eine ganz zentrale Bedeutung zu. Wie sind die IT-Systeme miteinander verknüpft? Mit welchen Kennzahlen wird gearbeitet, wie werden die Wert- und Warenströme sichtbar? Und wie werden die Informationen darüber gesammelt und visualisiert?

Um es zusammenzufassen: Die vier wichtigsten Elemente im SCM sind das Netzwerk, das Managementsystem, die Planung und das Informationsmanagement.

Was sind die größten Herausforderungen, wenn es gilt, ein internationales Wertschöpfungsnetzwerk zu managen?

Man muss das Gesamtkonstrukt verstehen, das Zusammenspiel der Einzelteile. Wo hat man kritische Stellen in seinem Netzwerk, was muss man im Blick behalten? Die große Herausforderung ist also, das gesamte Netzwerk zu verstehen und es transparent zu machen. Die Frage, wer was wann wo macht, hat auch viel mit guter Kommunikation zu tun. Auch das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Wie kommt man zu guten Lieferbeziehungen? Einerseits geht es um günstige Preise, andererseits will man zuverlässige und flexible Lieferbedingungen.

Bei vielen Unternehmen ist die „Total Cost of Ownership“-Kalkulation nicht Teil ihrer End-to-end-Betrachtung und bietet damit nur wenig Aussagekraft. Die Bedarfsplanung treibt oft seltsame Blüten, denn in der Regel fehlt die Gesamtbetrachtung. Da werden Komponenten beschafft, um irgendwo auf der Welt ein Lager zu befüllen, anstatt Endkonsumenten bedarfsgerecht zu bedienen. Man muss saubere Planungssysteme aufbauen, um dann übergreifend das gesamte Wertschöpfungssystem zu optimieren, anstatt mit einem super Einkauf immer wieder und wieder ein paar Prozentpunkte herauszuhandeln.

Host

Dr. Thilo Greshake, Partner Automotive, STAUFEN.AG

ist promovierter Maschinenbauer und seit 2017 bei der Staufen AG tätig.
Mit über 15 Jahren internationaler Beratungserfahrung in Lean Development, Engineering und Process Excellence verantwortet er als Partner den Bereich Automotive.

Gast

Thomas Spiess, Mitglied der Geschäftsleitung, STAUFEN.INOVA AG, Schweiz

Er hat Maschinenbau an der ETH Zürich studiert und ist seit fast 30 Jahren Experte im Bereich Supply Chain Management.

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