Corona-Pandemie – Herausforderungen und Lösungsansätze für den deutschen Maschinenbau

Juni 16, 2020 | Operations Management

Der deutsche Maschinenbau hat derzeit einiges zu bewältigen: weltweiter Konjunktureinbruch schon vor der Corona-Pandemie, Handelskonflikte, Brexit, Strukturprobleme in der Automobilindustrie, Digitalisierung und jetzt auch noch der Lockdown durch die Pandemie. In einer Umfrage des VDMA von Anfang Mai 2020 berichten 85 Prozent der befragten Unternehmen merkliche oder gravierende Auftragseinbußen oder Stornierungen aufgrund der Corona-Pandemie. 60 Prozent der Unternehmen gehen von Umsatzrückgängen zwischen 10 und 30 Prozent in 2020 aus. Die Unternehmen des Maschinenbaus sind zwar in der Bewältigung von zyklischen Ausschläge bei den Auftragseingängen erfahren. So wurden in der neuerlichen Krise wieder schnell Einstellungsstopps verfügt, Zeitkonten, Resturlaube, befristete Arbeitsverhältnisse und Leasingkräfte abgebaut und Kurzarbeit eingeführt. Vielfältige Maßnahmen zur Kostenreduzierung, zum Working Capital Management und zur Liquiditätssicherung wurden ergriffen.  

Die  Corona- Krise hat aber viel stärkere und andere Auswirkungen auf die Betriebe als frühere Konjunkturkrisen. Insofern sind neue Strategien und Maßnahmen zur Krisenbewältigung erforderlich. Die Schließung von Fabriken im Ausland und die Einschränkung der Reisemöglichkeiten haben zu einer Unterbrechung der Lieferketten geführt. Ausländische Kunden konnten Maschinen nicht mehr abnehmen, deutsche Techniker keine Anlagen im Ausland mehr in Betrieb nehmen. Zur Nachfragekrise trat eine Angebotskrise hinzu. Gesundheitspolitische Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und der Ausfall von wichtigen Leistungsträgern durch Quarantänemaßnahmen haben Produktivität und Output reduziert.

Anpassung an „neue Normalität“

Die Sicherung des operativen Ablaufs und der Lieferfähigkeit der Betriebe ist zu einer bisher nicht gekannten Herausforderung geworden. Remote Work, Home Office, Arbeiten in virtuellen Teams, digitales Shopfloor Management in Echtzeit, Online-Collaboration und Führen auf Distanz erfordern ein neues Operations Management. Bei anhaltender Unsicherheit müssen sich die Unternehmen ständig an die „neue Normalität“ für die nächsten Wochen oder Monate anpassen, Szenarien für die Marktentwicklung und die Auswirkungen auf Standorte, Produktionspläne, Ressourcen, Liefer- und Absatznetzwerke entwickeln und umsetzen. Es muss im wahrsten Sinne des Wortes auf Sicht gefahren werden. Arbeitszeiten und Kapazitäten müssen ständig angepasst werden.

Wenn auch das Ende der durch die Corona-Pandemie bedingten massiven Einschränkungen des Wirtschaftslebens noch nicht absehbar ist, bereiten sich die Maschinenbauer intensiv auf den Exit vor. Es bestehen aber große Zweifel, ob die Entwicklung wie 2008/2009 wieder einen V-förmigen Verlauf nimmt. Der Wiederanstieg dürfte holprig verlaufen, da Lieferketten unterbrochen wurden, Vorkehrungen für den Gesundheitsschutz den Produktionsanlauf erschweren, die weltwirtschaftliche Entwicklung schwach bleibt und viele Kunden sich neu ausrichten müssen. Die zentrale Bedeutung der besseren Absicherung und Steuerung des Lieferantennetzwerks ist auch Ergebnis einer internationalen Befragung von 730 Unternehmen durch die Staufen AG im April 2020.

Focus, Impact und Speed

Vor allem gilt es in der derzeitigen Situation nicht in Schockstarre zu verfallen und nur reaktive Brandbekämpfung zu betreiben. Vielmehr zeigt die Krise auch grundsätzliche Schwächen in den Prozessen und Abläufen der betroffenen Unternehmen auf, die es möglichst schnell zu identifizieren und zu beseitigen gilt. Insbesondere weil niemand voraussagen kann, ob, wann und unter welchen Voraussetzungen sich wieder ein „Normalzustand“ einstellt. Focus, Impact und Speed heißen daher die Gebote der Stunde.

Es geht darum, Orientierung zu finden und die Handlungsbedarfe, die durch die Krise aufgedeckt werden, zu analysieren. Vor dem Hintergrund der Pandemie gilt es solche zu identifizieren, die laufende Kosten senken. Mit Blick auf die Zukunft gilt es aber auch jene zu forcieren, die eine möglichst robuste, aber agile Aufstellung sowohl für ein andauerndes Konjunkturtief, eine zweite Welle oder einen etwaigen Hochlauf bedeuten. Das schnelle Umsetzen von beschlossenen Maßnahmen und das kurzzyklische Tracking ebendieser bilden die Grundlage für die notwendige Flexibilität in dieser hochdynamischen Zeit.

Schnell, überlegt und vorausschauend handeln ist der Schlüssel, um in und vor allem auch nach der Krise erfolgreich zu bleiben.

Dr. Björn Falk, Branchenmanager Maschinen- und Anlagenbau, STAUFEN.AG

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Dr. Ulrich P. Hermani

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