

Wie aus 100 Mitarbeitenden ein Team wird
In Kürze
Im neu errichteten Distributionszentrum von Ivoclar in Ellwangen führten neue Prozesse, Shadowing und eine starke Feedbackkultur zu einem markanten Wandel. Die Produktivität stieg um 50 Prozent, die Reklamationsquote und die Fluktuation wurden halbiert. Das erfolgreiche Modell wird nun auf weitere Ivoclar-Standorte übertragen.
Ein neues Logistikzentrum auf der grünen Wiese und eine noch nicht eingespielte Belegschaft – die Herausforderungen im Ivoclar Global Distribution Center waren enorm. Doch dank gezielter Maßnahmen und einer offenen Feedbackkultur greifen Menschen, Prozesse und Technologien nun reibungslos ineinander. In wenigen Monaten entstand damit ein Best Practice-Modell, das auch andere Standorte des Dentalunternehmens künftig umsetzen werden.
Als das Ivoclar Global Distribution Center (GDC) in Ellwangen mit rund 100 neuen Mitarbeitenden und einer vollständig neuen Infrastruktur den Betrieb aufnahm, sah sich das Unternehmen erheblichen Herausforderungen gegenüber. Das Greenfield- Projekt kämpfte mit Startschwierigkeiten: Ineffiziente Prozesse, hohe Fluktuationsraten und Qualitätsprobleme prägten den Arbeitsalltag.
Ivoclar begegnete diesen Herausforderungen zunächst mit eigenen Ressourcen. In der ersten Phase konzentrierte sich das Unternehmen auf die Prozessoptimierung, um das hohe Arbeitsvolumen erfolgreich zu bewältigen. Nachdem sich erste Erfolge eingestellt hatten, wurde klar, dass auch die Unternehmenskultur und das Miteinander zwischen Teams und Führungskräften weiterentwickelt werden mussten.
Die Experten haben den Führungskräften einen Spiegel vorgehalten und gemeinsam überlegt, was die Führungskräfte konkret verändern können, und die Ergebnisse waren sofort sichtbar.DANIEL SCHNELL
Geschäftsführer Global Distribution Center,
Ivoclar Vivadent GmbH
In Zusammenarbeit mit Staufen, part of Accenture, führte Ivoclar daraufhin das sogenannte Shadowing ein. Bei dieser Methode werden Führungskräfte von Expertinnen und Experten in ihrem Arbeitsalltag begleitet – diese fungieren als sogenannte Schatten. Dabei geht es nicht darum, den Führungskräften zu sagen, wie es möglicherweise besser geht. Daniel Schnell, der heutige Geschäftsführer des GDC, erinnert sich an die anfängliche Skepsis: „Die erste Reaktion war natürlich: ‚Was sollen wir denn jetzt noch alles machen?‘ Aber es hat uns geholfen, in kurzer Zeit vieles anders und besser zu machen.“ Ein entscheidender Vorteil war dabei das junge Team ohne festgefahrene Denkmuster nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“.
Das Shadowing erwies sich als sehr effektiv, da die Staufen-Beraterinnen und -Berater den Führungskräften zu alltäglichen und kritischen Situationen im Führungsalltag eine unmittelbare Reflexion ermöglichten. „Die Experten haben den Führungskräften einen Spiegel vorgehalten und gemeinsam überlegt, was die Führungskräfte konkret verändern können, und die Ergebnisse waren sofort sichtbar“, so Schnell weiter. Entscheidend war auch, dass alle Ebenen – von der Geschäftsführung bis zur Teamleitung – teilnahmen. Die Veränderung im Distributionslager sollte ein gemeinsames Projekt sein und nicht auf einzelne Bereiche oder Hierarchieebenen beschränkt bleiben. Deshalb wurde auch die systematische Befähigung der Belegschaft vorangetrieben. Operative Mitarbeitende wurden darin geschult, Standardprobleme eigenständig zu lösen, sodass nicht mehr bei jeder kleinen Störung die Teamleitung eingreifen musste. Schnell erklärt das Prinzip: „Wir haben die Hauptarbeitslast von wenigen Schultern auf viele verteilt. Die Mitarbeitenden, die ihre Prozesse täglich ausführen, kennen diese Prozesse oft besser als die Führungskräfte.“ Die Verteilung der Verantwortung führte zu effizienteren Abläufen und einer höheren Motivation der Mitarbeitenden, da sie ihre Expertise einbringen und so selber wirksam werden konnten.

Über die Person
Daniel Schnell ist Geschäftsführer des Global Distribution Center der Ivoclar Vivadent GmbH in Ellwangen. Der Wirtschaftsingenieur hat den Standort im Jahr 2024 übernommen und dort erfolgreiche Prozessund Kulturveränderungen umgesetzt, die zu einer deutlich verbesserten Performance geführt haben.
Der kulturelle Wandel im Ivoclar GDC
Parallel dazu wurde eine offene Feedbackkultur etabliert. Mithilfe regelmäßiger anonymer Mitarbeiterbefragungen und Sounding Boards war es möglich, die Stimmung im Team zu erfassen und Verbesserungspotenziale zeitnah umzusetzen. „Früher war es schwierig, herauszufinden, was bei unseren Mitarbeitenden wirklich los war. Heute funktioniert das durch die offenen Kommunikationskanäle sehr gut“, betont GDC-Geschäftsführer Schnell.
Wichtig war dabei die Grundlagenarbeit: Was ist konstruktives Feedback und wie funktioniert es? Wie gebe ich Rückmeldung auch von unten nach oben? Wie gehe ich als Führungskraft mit kritischem Feedback meiner Mitarbeitenden um? Diese Basis musste erst geschaffen werden, bevor eine echte Feedbackkultur entstehen konnte.
Der Erfolg ist sichtbar
Dank des kulturellen Wandels, neuer Führungskonzepte und verbesserter Kommunikation konnten messbare Fortschritte erzielt werden. So stieg die Produktivität um beeindruckende 50 Prozent, während die Reklamationsquote um über 50 Prozent gesenkt werden konnte. Auch die Fluktuationsrate konnte deutlich reduziert werden. Für Schnell sind der geringere Mitarbeiterwechsel und die bessere Arbeitsatmosphäre besonders wichtige Aspekte: „Das sind klare Indikatoren dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Die Erfolge des Ivoclar GDC in Ellwangen haben nicht nur das Werk selbst transformiert, sondern auch eine Blaupause für andere Standorte geschaffen. „Wir sehen, dass dieses Modell funktioniert und dass wir mit dem Shadowing-Konzept und der gleichzeitigen Befähigung der Mitarbeitenden besser arbeiten. Deswegen wird das Konzept nun auf unsere Standorte in Italien, Liechtenstein und den USA übertragen“, so Schnell.
Der kulturelle Wandel: „Making People Smile“
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Wandels war die Veränderung der Unternehmenskultur im globalen Distributionszentrum. Durch gezielte Mitarbeiterbefähigung und die Entwicklung des gesamten Teams ist es Ivoclar gelungen, die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen zu steigern. Der Slogan „Making People Smile“ spiegelt sich nun nicht nur in den Produkten des Dentalunternehmens, sondern auch in der Atmosphäre im GDC wider. Laut Schnell hat die neue Feedbackkultur zu einer viel stärkeren Identifikation und zu einer größeren Bereitschaft, sich zu beteiligen, geführt: „Es gibt nichts Schöneres, als eine eigene Idee zu haben und sie erfolgreich umzusetzen. Das macht die Mitarbeitenden stolz.“

Wie lässt sich der Erfolg solcher Projekte wie bei Invoclar sicherstellen?
Susanne Zehren, Project Manager bei Staufen, part of Accenture, gibt vier Tipps:
- Frühe Einbindung aller Mitarbeitenden
Die Kommunikation darf sich nicht auf den Führungskreis beschränken. Das Konzept und die dahinterstehende Idee müssen transparent vorgestellt werden. - Transparente Kommunikation
Beim Shadowing geht es nicht darum, Teams oder Führungskräfte zu kontrollieren, sondern darum, Probleme und Themen zu erkennen und als Organisation gemeinsam zu wachsen. - Mitarbeitende aktiv fördern
Die Befähigung der Mitarbeitenden sollte von Beginn an aktiv gefördert werden. Nur so kann das volle Potenzial des Projekts ausgeschöpft werden. - Projektgröße berücksichtigen
Es gibt praktische Grenzen für die Größe solcher Projekte. In Ellwangen waren rund 100 Personen beteiligt. Bei größeren Projekten empfiehlt sich eine Aufteilung in Etappen oder Wellen.

Über Ivoclar Vivadent
Die Ivoclar Vivadent AG ist ein international tätiges Dentalunternehmen mit Hauptsitz in Schaan, Liechtenstein. Das im Jahr 1923 gegründete Unternehmen entwickelt und vertreibt Produkte und Systeme für Zahnarztpraxen und Zahntechniker. Ivoclar Vivadent beschäftigt weltweit rund 3.600 Mitarbeitende und ist in über 30 Ländern vertreten.
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