
Digitalisierung: Im Datenwirrwarr droht der strategische Blindflug
Warum Unternehmen trotz Datenflut falsche Entscheidungen treffen
Auch ohne ChatGPT & Co. tappen viele Unternehmen in die Halluzinationsfalle. Denn obwohl sie viele erhobene Daten gar nicht verstehen, nutzen sie sie als Basis für strategische Entscheidungen.
Vor jedem Flug führen Pilotinnen und Piloten einen Preflight-Check durch und überprüfen den technischen Zustand des Flugzeugs. Außerdem werden Wetter- und Beladungsinformationen in die Flugzeugsysteme eingespeist. Eine sorgfältige Flugplanung – unter Einbeziehung aller Wetter-, Fracht- und Verkehrsinformationen – ist die unabdingbare Voraussetzung für einen sicheren Flug. Niemand möchte bei bestem Wetter in Deutschland starten, nur um auf halber Strecke nach Südamerika von Gewittern oder verrutschter Ladung überrascht zu werden.
Unternehmen sollten ähnlich organisiert sein, schließlich gibt es entlang der Wertschöpfungskette eine Vielzahl selbst kleinster Variablen, die aufgrund ihrer Abhängigkeiten das Endergebnis stark beeinflussen. Doch gerade bei der ganzheitlichen Betrachtung und Abstimmung aller Daten hapert es in vielen Unternehmen, es herrscht ein regelrechter Wildwuchs ohne einheitliche Linie. Dies erschwert die Ableitung relevanter Erkenntnisse aus den Daten. Unterschiedliche Formate und Anwendungen erweisen sich in einer heterogenen IT-Systemlandschaft als Hürden und verhindern eine abteilungsübergreifende Planung und Zusammenarbeit.


Michael Feldmeth
Er verfügt über Reorganisationserfahrung in den Bereichen Produktion (Fertigung und Montage), Logistik und Auftragsabwicklung, über praktische Shopfloor-Erfahrung sowie über ein fundiertes technisches Verständnis für Produktionsprozesse.
Vor lauter Zahlen sehen viele Unternehmen den KPI-Wald nicht mehr
Wie groß die Herausforderungen für die Industrie sind, zeigt unsere Studie „Digitalisierung 2024“ . Bei der Befragung von 417 Unternehmen aus der DACH-Region räumen sechs von zehn Befragten ein, dass sie zwar einzelne Zahlen aus verschiedenen Bereichen einsehen, aber zu wenig über die Zusammenhänge wissen. Mangelnde IT-Kompatibilität und fehlendes Analyse-Know-how führen dazu, dass die Zusammenhänge zwischen den Daten nicht erkannt werden. Die gesammelten Informationen verwirren eher, als dass sie einen Mehrwert liefern oder die Grundlage für präzise Handlungsempfehlungen bilden. Kurz: Vor lauter Zahlen sehen viele Unternehmen den KPI-Wald nicht mehr

Und wie halten es die Unternehmen mit der Datenarchivierung?
Für 77 Prozent ist ein ERP-System die am häufigsten gewählte Lösung, gefolgt von Datenbanken wie Microsoft SQL Server oder PostgreSQL (69 Prozent) und Excel-Listen (54 Prozent). Dabei sind Programme wie Excel als Tabellenkalkulation auf einen bestimmten Anwendungsbereich zugeschnitten und – ebenso wie ein ERP-System – nicht optimal für die Datenarchivierung geeignet. In der Folge bremsen Datensilos und eingeschränkte Funktionalitäten der einzelnen Systeme die Effizienz und Produktivität der Unternehmen.
Gerade jetzt, in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, ist ein leistungsfähiges und auf Operational Excellence ausgerichtetes Unternehmen wichtig. Mit modernen Analysetools aus dem Werkzeugkasten der Digitalisierung verfügen Unternehmen über geeignete Möglichkeiten, die gesamte Wertschöpfungskette mittels „Preflight-Check“ quasi vorausschauend virtuell durchzuspielen und mögliche Risikoquellen oder Optimierungspotenziale zu erkennen. Anschließend erfolgt die Umsetzung in die Praxis.

Schneller, besser, Günstiger
Häufig ist jedoch noch das Gegenteil der Fall: Vorhandene Daten werden zwar gesammelt, aber weder vollständig verstanden noch richtig ausgewertet. Dennoch geben gut drei Viertel der Unternehmen an, diese Daten für die künftige Strategieentwicklung zu nutzen. Ein riskanter Weg.
Dabei sind die Potenziale, die sich in der eigenen Datenwelt verbergen, durchaus bekannt: So räumen 72 Prozent der Studienteilnehmer ein, dass eine Datenanalyse ihre organisatorische Effizienz steigern würde. 57 Prozent erwarten eine Optimierung der Durchlaufzeiten, 52 Prozent eine Qualitätssteigerung und 48 Prozent eine Erhöhung der Kundenzufriedenheit.
Unternehmen müssen verstehen, wie sie im Inneren ticken
Damit Unternehmen im Geflecht der immer komplexer werdenden Produkte und Produktionsprozesse nicht im Blindflug umherirren, sondern den kürzesten und effizientesten Weg wählen, führt an einer professionellen Datenanalyse in Verbindung mit einer Operational-Excellence-Strategie kein Weg mehr vorbei: Unternehmen müssen verstehen, wie sie im Inneren ticken, welche Anpassungen zu welchen Ergebnissen führen und wie der Wertschöpfungsprozess optimiert werden kann. Denn egal, ob es um Lieferketten, Produktionsprozesse oder HR-Herausforderungen geht: Oft können schon kleine Anpassungen und Feinjustierungen an wenigen Stellschrauben eine große Hebelwirkung entfalten.



Michael Feldmeth
Er verfügt über Reorganisationserfahrung in den Bereichen Produktion (Fertigung und Montage), Logistik und Auftragsabwicklung, über praktische Shopfloor-Erfahrung sowie über ein fundiertes technisches Verständnis für Produktionsprozesse.


Ignacio Quiñonero Ferrer
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