

Wie sich Schnellecke Logistics neu erfindet
"Von der Rampe zur Cloud":Mit Mut zur Veränderung und dem Blick über den Tellerrand hinaus entwickelt sich Schnellecke Logistics vom klassischen Logistikdienstleister zum digitalen Lösungsanbieter.

Über die Person
Karsten Keil ist seit 2006 Geschäftsführer
der IT-Tochtergesellschaft LOGIS GmbH und seit 2009 Vice President IT. Zusätzlich ist er seit März 2020 Member of the Management Board der Schnellecke Logistics SE und im Konzern zuständig für IT & Digitization. In seiner neuen Rolle als
Geschäftsführer bei Brighten Consulting treibt er seit Januar 2024 die Diversifizierung durch Digital Services voran.
Ein Interview mit Karsten Keil:
Herr Keil, wie erfindet sich ein klassisches Logistikunternehmen neu? Und wie kommt man dazu, sich mit digitalen Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen?
Die Transformation bei Schnellecke Logistics begann mit einer ehrlichen Analyse: Unser Kerngeschäft – die Automobillogistik – war zu einseitig aufgestellt. Wir waren stark von einzelnen Kunden und einer Industrie abhängig, wir hatten ein Klumpenrisiko. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie stark sich unser Umfeld verändert: Digitalisierung, Nachhaltigkeitsanforderungen, demografischer Wandel. Das hat uns motiviert, unser Geschäftsmodell grundsätzlich zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.
Was zeichnet Schnellecke Logistics heute aus?
Wir sind in den letzten 30 Jahren international stark gewachsen, haben unser Portfolio kontinuierlich erweitert – von klassischem Transport über Verpackung und Kommissionierung bis hin zur verlängerten Werkbank. Heute verstehen wir uns nicht mehr nur als Logistikdienstleister, sondern vielmehr als Partner für intelligente Prozesslösungen. Dabei legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit, Automatisierung und datenbasierte Entscheidungen.


2021 haben Sie den renommierten IT-Award gewonnen. Was bedeutete diese Auszeichnung für Sie und Ihr Team?
Der Award war eine wichtige Bestätigung für unsere Arbeit. Mit dem Digital Control Tower haben wir eine Plattform geschaffen, die Daten aus allen globalen Standorten bündelt und in Echtzeit visualisiert – ein echter Mehrwert für unsere Prozesse. Aber noch wichtiger war, dass durch den Preis der Wert unserer Arbeit und damit das Thema Digitalisierung und Automatisierung im Unternehmen sichtbar wurde. Das hat uns Rückhalt gegeben, Energie freigesetzt und dem Unternehmen gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wie genau haben Sie Ihr Geschäftsmodell diversifiziert?
Wir haben ein Joint Venture mit unserem langjährigen Partner Brighten S.A. aus Lissabon gegründet. Die Idee war, unsere internen digitalen Kompetenzen – etwa im Bereich RPA, Data Integration, Individualentwicklung oder Data Analytics – in einem neuen Kontext zu nutzen und als Dienstleistung nach außen anzubieten. Unter dem Slogan „Simplify your Business“ beraten wir heute Unternehmen unterschiedlichster Branchen – also weit über die Logistik hinaus.

Die Logistik von morgen ist nicht mehr nur physisch – sie ist datengetrieben, automatisiert und intelligent.Karsten Keil
VP Group IT & Digitization Schnellecke Logistics
Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf – und wo lagen die größten Herausforderungen?
Die Reise ist spannend und erfolgreich, aber natürlich nicht frei von Herausforderungen. Besonders herausfordernd war der Kulturwandel: Zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzuführen, bedeutet auch Reibung. Wir mussten lernen, neue Vertriebswege zu etablieren, andere Denkweisen zu akzeptieren und gemeinsame Best Practices zu entwickeln.
Veränderung stößt nicht überall auf Begeisterung. Wie sind Sie mit interner Gegenwehr umgegangen?
Wir haben früh verstanden, dass Veränderung nur gelingt, wenn wir die Mitarbeitenden mitnehmen. Deshalb haben wir digitale Botschafter ausgebildet, offene Kommunikation gefördert und Erfolge wie Misserfolge transparent geteilt. Vor allem haben wir gezeigt, dass Digitalisierung keine Bedrohung, sondern eine Chance ist – insbesondere angesichts des Fachkräftemangels. Automatisierung hilft uns, Prozesse aufrechtzuerhalten, wo uns künftig schlicht das Personal fehlt. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel bei repetitiven Tätigkeiten durch Robotic Process Automation (RPA) rund 50.000 Stunden weltweit automatisiert – nicht um Stellen abzubauen, sondern um vorhandene Ressourcen besser einsetzen zu können.

Was raten Sie anderen Unternehmen, die sich auf die Reise der digitalen Transformation begeben wollen?
Transformation bedeutet immer auch Mut – Mut, Rückschläge auszuhalten und weiterzumachen. Entscheidend ist, die drei wesentlichen Elemente im Blick zu behalten: Prozesse, Menschen und Technologie. Nur wenn diese drei im Einklang sind, kann ein Wandel nachhaltig gelingen. Standardisierte Prozesse schaffen die Grundlage, um schnell zu skalieren und zu automatisieren.Engagierte Menschen treiben die Umsetzung – Change funktioniert nicht top-down, sondern durch aktive Einbindung der Mitarbeitenden. Passende Technologien schaffen Mehrwert, aber nur, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, sondern muss konkrete Probleme lösen.
Die Erfolgsfaktoren
„Transformation ist ein Dreiklang aus Prozess, Mensch und Technologie.“
1. Prozesse vordenken.
Wer Standards nutzt, kann schneller skalieren und automatisieren.
2. Menschen aktiv einbinden
Veränderung funktioniert nicht top-down. Change entsteht durch Beteiligung.
3. Technologie gezielt einsetzen
Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, sie muss konkrete Probleme lösen.

Über Schnellecke Logistics
Schnellecke Logistics ist ein globales, inhabergeführtes Logistikunternehmen, das auf Innovation und Nachhaltigkeit setzt, um mit einem umfassenden Portfolio an Logistikdienstleistungen maßgeschneiderte und zukunftsfähige Lösungen anzubieten. Mit einem engmaschigen globalen Netzwerk und modernster Technologie optimiert Schnellecke Logistics die Lieferketten seiner Kunden.
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