

Ein „Perfect Match“ für die Industrie:
Darum bündeln Staufen und Accenture ihre KräfteMitarbeitende (Accenture)791.000+
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Die Industrie steht vor enormen Herausforderungen. Digitalisierung und Effizienz sind wichtiger denn je. Im Interview erklären Wilhelm Goschy, CEO der Staufen AG, und Matthias Hégelé, Managing Director Supply Chain & Operations DACH bei Accenture, warum der Zusammenschluss beider Unternehmen genau zur richtigen Zeit kommt, welchen konkreten Mehrwert die neue Allianz den Kunden bietet und warum Operational Excellence und digitale Transformation untrennbar zusammengehören.
Was war für Sie entscheidend, diesen Schritt zu gehen – warum dieser Zusammenschluss?
Matthias Hégelé: Accenture verfügt über herausragende Kompetenzen in der Digitalisierung, insbesondere entlang der gesamten Core Value Chain. Staufen wiederum bringt tiefgehende Expertise in Produktionsprozessen und eine enge Verbindung zur Industrie mit. Die Kombination unserer jeweiligen Stärken entfaltet eine enorme Hebelwirkung: Staufens Operational-Excellence-Know-how trifft auf Accentures Digitalisierungskompetenz. Dadurch können wir gemeinsam große, skalierbare Projekte realisieren, die deutlich mehr Wert schaffen, als es jedem Partner für sich allein möglich wäre. Kurz gesagt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Wilhelm Goschy: Die Zukunft der Industrie ist digital, daran führt kein Weg vorbei. Die Beratungsleistungen, die Staufen seit mehr als 30 Jahren anbietet, sind heute ohne digitale Komponenten undenkbar. Ob Supply-Chain-Automatisierung oder Fabrikplanung: Digitale Zwillinge und Simulationsmodelle sind mittlerweile unverzichtbar. Die Partnerschaft mit einem globalen Technologieführer war daher der logische Schritt. Durch den Zusammenschluss verfügen wir nun über die passenden technologischen Lösungen für unsere Kunden – ein Perfect Match.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit konkret?
Wilhelm Goschy: Accenture ergänzt unsere traditionellen Stärken in den Bereichen Prozessoptimierung und Mitarbeiterentwicklung um modernste Technologiekompetenz. Ein gutes Beispiel für die Kombination aus Lean-Expertise und State-of-the-Art-IT ist ein aktuelles Projekt bei einem Landmaschinenhersteller. Denn neben der Effizienzsteigerung in der Produktentwicklung durch kürzere Durchlaufzeiten und optimierte Schnittstellen geht es dort auch um eine IT-Lösung für eine bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Standorte sowie ein funktionsübergreifendes Abweichungsmanagement. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich Digitalisierung: Um den Lernprozess einfacher und schneller zu machen, wünscht sich ein Kunde die 3D-Visualisierung von Arbeitsanweisungen. Jetzt können wir sagen: Wir sind Teil von Accenture. Dort gibt es ein Team von über 250 Leuten, die genau das machen.
Matthias Hégelé: Ein weiteres Beispiel ist eine Großbäckerei mit rund 200 Betriebsstätten. Der Auftrag lautet, die produktbezogenen Kosten der verkauften Waren mithilfe von KI um 20 Prozent zu senken. Als erfahrene Produktionsspezialisten und Digitalisierungsexperten analysieren wir den Datenfluss gemeinsam entlang des gesamten Wertstroms und entwickeln passgenaue Lösungen für die komplexen Herausforderungen in Produktion und Logistik.
Welche neuen Technologien sind für Unternehmen besonders nützlich?
Matthias Hégelé: Intelligente Agenten, sogenannte AI Agents, übernehmen zunehmend Aufgaben, die bisher menschliche Entscheidungen erforderten. Accenture ist bei der Entwicklung und Einführung dieser Technologien führend. Ziel ist es, wiederkehrende Prozesse zu automatisieren und Entscheidungsfindungen gezielt zu unterstützen. So können Mitarbeitende sich auf anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren, Prozesse überwachen und komplexe Entscheidungen treffen, während Routinearbeiten automatisiert ablaufen. Ein konkretes Beispiel: Bei einem unserer Kunden übernehmen AI Agents mit hohem Autonomiegrad große Teile des Order-to-Cash-Prozesses. Sie prüfen Bestellungen, kontrollieren Verfügbarkeiten, schlagen Alternativen vor und geben automatisiert Kundenfeedback – ideal für standardisierte Prozesse mit niedrigen Margen. Im Spezialgeschäft kommen sogenannte Augmented Agents zum Einsatz, die Szenarien vorschlagen und Kalkulationen durchführen. Hier bleibt der Mensch stärker eingebunden. Die technologische Entwicklung geht klar in diese Richtung: Der Mensch wird nicht ersetzt, sondern erhält leistungsfähigere Werkzeuge. Effizienzsteigerungen, Qualitätsverbesserungen und kürzere Innovationszyklen sind die Folge – und genau das brauchen Unternehmen, um in einem immer dynamischeren Marktumfeld erfolgreich zu bleiben.

Accenture und Staufen haben jeweils eigene kulturelle Wurzeln und Traditionen. Wie wächst zusammen, was zusammengehört?
Matthias Hégelé: Der Schlüssel liegt im gelebten Miteinander. Das beginnt beim Management, reicht aber weit darüber hinaus. Wir haben die operativen Teams früh zusammengebracht, denn unser Geschäft basiert auf Beziehungen und Vertrauen. Es geht nicht nur um Prozesse, sondern auch darum, dass Menschen sich kennenlernen, Vertrauen aufbauen und gerne zusammenarbeiten. Dafür haben wir ein Buddy-System eingeführt. Accenture-Kolleginnen und -Kollegen unterstützen ihre Staufen-Pendants dabei, sich in unserer komplexen Organisation zurechtzufinden – unkompliziert und praxisnah. Zusätzlich setzen wir auf persönliche Begegnungen, die fachlichen Austausch und Teambuilding verbinden. Für uns gilt: Struktur und Kultur müssen gemeinsam wachsen.
Wilhelm Goschy: Dieses Miteinander zeigt sich auch im Alltag. So haben wir kürzlich unser monatliches KVP-Meeting im Accenture Innovation Center in München abgehalten. In einem Marktplatz-Format konnten sich alle auf Augenhöhe austauschen und gemeinsam Ideen entwickeln. Das Fundament ist jedoch die operative Zusammenarbeit für unsere Kunden. Erst wenn man im Team echte Herausforderungen meistert, entsteht eine belastbare Verbindung.
Wie haben die Staufen-Kunden auf den Zusammenschluss reagiert?
Wilhelm Goschy: Die Resonanz ist sehr positiv. Unsere Kunden haben sofort den Mehrwert erkannt, den die enge Verzahnung von Produktions-Know-how und Digitalisierungskompetenz bietet. Während Staufen früher vor allem für Operational Excellence und Lean Management stand, sind wir jetzt auch bei Themen wie Machine Learning, dem Einsatz digitaler Zwillinge in der Prozess- und Fabrikplanung, der Automatisierung der Supply Chain sowie im Bereich Analytics hervorragend aufgestellt. Davon profitieren unsere Kunden – und zwar vom Konzern bis zum familiengeführten Mittelständler. Die typischen Staufen-Stärken wie persönliches Engagement bis runter auf den Shopfloor sind auch künftig ein wesentlicher Erfolgsfaktor unserer Arbeit.
Stichwort Zukunft: Wo sehen Sie die jetzt geschmiedete Allianz in zwei bis drei Jahren?
Matthias Hégelé: Unternehmen stehen derzeit unter erheblichem Druck – geopolitisch, wirtschaftlich sowie organisatorisch. Die Digitalisierung ist keine Option mehr, sondern eine zwingende Notwendigkeit, insbesondere angesichts des Fachkräftemangels. Mit unserem Ansatz, Operational Excellence mit Digitalisierung zu verbinden, schaffen wir Effizienz und eröffnen Spielräume für Investitionen in die Zukunft. Die langjährige Erfahrung von Staufen ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor, den wir gemeinsam weiter ausbauen wollen.
Wilhelm Goschy: Kürzlich haben wir einen Kunden besucht, der bereits heute hochdigitalisiert und äußerst effizient arbeitet – ein echtes Vorbild für die Industrie. Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren möglichst viele Unternehmen auf dieses Niveau zu bringen. Mithilfe von Prozessoptimierung und Digitalisierung wollen wir Ressourcen freisetzen, Verschwendung eliminieren und Innovationen ermöglichen. Das Potenzial dafür ist enorm.
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