Die neue Aufmerksamkeitsökonomie

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4 Fragen an den Wirtschaftsphilosophen Anders Indset

1.

Herr Indset, Sie sagen, „wir nutzen alte Modelle, um Probleme der Zukunft zu lösen“. Wie können wir diesem Konflikt entgegenwirken?

Wir brauchen eine neue Sichtweise auf die Dinge. Das Denken an sich ist anstrengend, deshalb hoffen wir auf die Technologie. Um die Gesellschaft zu verstehen, müssen wir aber die Wirtschaft heute neu denken. Neue Wege zu gehen ist jedoch mit Risiko verbunden, also machen wir aus Bequemlichkeit einfach weiter. Wir setzen auf eine Vorvalidierung durch Algorithmen, also eine „Wissensgesellschaft” als Lösung für die heutige Unsicherheit in unserer „fatalen Informationsgesellschaft”. Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft des Verstandes. Wir müssen die Auswirkungen und Wirkkräfte besser verstehen, um radikale Reaktionen zu vermeiden.

2.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf unser Wirtschaftsmodell?

Zweifellos müssen wir uns limitieren und eine perfekte Kreislaufwirtschaft bauen, aber im Kern geht es darum, dass wir lernen müssen, immaterielle Güter zu kapitalisieren. Vitalenergie muss in die Wirtschaft. Verstand, Mitgefühl und Liebe müssen ein integraler Bestandteil der Wirtschaft werden. Zudem werden durch die Technologien die Vermittler und Zwischenglieder entfernt. So verringern wir den Abstand zwischen Hersteller und Konsument, mit der Folge, dass im ganz Kleinen alles mit allem zusammenhängt, genauso wie im großen Ganzen. Wir leben in einer Weltgesellschaft.

3.

Welche Rolle spielt der Aufbau einer gelebten Unternehmenskultur in der künftigen Wirtschaft?

Das Projekt ist der neue Chef. Management macht die Technologie. Leadership ist überall. Es gibt kein Oben und Unten. Es ist nicht mehr wichtig, wer etwas sagt, sondern was gesagt und getan wird. Somit entstehen kleinere Baby-Ökonomien und viel mehr fluide Strukturen. Wir nennen das gerne agil und flach, doch im Wesentlichen rückt der Mensch und nicht die Rolle in den Mittelpunkt. Titel und Rollen werden unwichtiger.

4.

Welche Chancen haben Unternehmen, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Kennen Sie Unternehmen, die den Weg der Transformation erfolgreich beschritten haben?

Fangen wir hinten an. Es gibt keine „Transformation”. Es gibt keinen Status „von … bis“, sondern die Wirtschaft, und auch Führung, ist etwas Unendliches. Wir müssen lernen, alles unendlich zu denken. Alle Ressourcen müssen unendlich wiederverwendbar gemacht werden. Es geht also nicht ums Gewinnen und Verlieren, sondern darum, möglichst lange mitzuspielen. Im Wesentlichen geht es darum, herauszufinden, was ich besitze und was eine hohe Kredibilität oder hohe Intelligenz hat. Was habe ich, das einzigartig ist? Welchen (Mehr-)Wert stifte ich, welches Problem löse ich? Mein Rat: Beschreibe das Problem, löse das Problem, stelle deine Rechnung. Dann muss ich in der neuen Aufmerksamkeitsökonomie auch zeigen, dass es mich gibt. Mit anderen Worten:

Sichtbarkeit x Kredibilität = Belohnung in der Aufmerksamkeitsökonomie.

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