Restrukturierung vor dem Ernstfall ist die neue Normalität

Restrukturierungs- und Turnaround-Projekte waren bisher immer erst dann gefragt, wenn ein Unternehmen sich bereits in einer negativen Ergebnissituation oder sogar fundamentalen finanziellen Krise befand. Diese Sichtweise greift in zunehmend dynamischer werdenden Zeiten zu kurz. Geprägt durch volatile Märkte, aggressive Wettbewerber bzw. Investoren, agile Arbeitsformen und digitalen Wandel, vollziehen sich Veränderungen immer schneller. In der Folge stehen auch etablierte Unternehmen mit heute noch guter Ertragslage heute vor der Herausforderung, den bestehenden Erfolg abzusichern und gleichzeitig den Wandel zu neuen Geschäftsmodellen und -strukturen zu managen.

Abwarten ist dabei oft der Anfang vom Ende – und das wissen die meisten Firmenlenker auch aus eigener Erfahrung: Mehr als 70 Prozent der Top-Manager mussten bereits einmal ein Unternehmen oder einen Unternehmensbereich auf neue Beine stellen. Dies ist eines der Ergebnisse der von der Unternehmensberatung Staufen AG erstellten Studie „Restrukturierung“, für die rund 250 Vorstände und Geschäftsführer befragt wurden.

Aber wo liegen die Risiken für die meisten Unternehmen? Die von Staufen befragten Unternehmenslenker identifizierten vor allem eine hohe Abhängigkeit von einzelnen Regionen/Märkten (46 Prozent der Unternehmen), einzelnen Kunden (39 Prozent) und einzelnen Liefe-ranten (33 Prozent) als Gefahren.

Im Geschäftsgang zu vieler Unternehmen gibt es also Abhängigkeiten, die bei Marktveränderungen oder konjunkturellen Schwächephasen rasch Krisen auslösen können. Besonders deutlich sichtbar ist das u. a. in der Automobilindustrie. Die zum Teil sehr enge Spezialisierung auf die Modellpalette einzelner Hersteller macht die Zulieferer äußerst verwundbar.

Solche branchenspezifischen Abhängigkeiten sind den Unterneh-mensführungen in den meisten Fällen durchaus bewusst und entsprechend kritisch fällt das Urteil über die eigene Situation aus: Etwa ein Drittel (32 Prozent) hält das eigene Unternehmen für stark oder sogar sehr stark krisenanfällig. Lediglich 22 Prozent denken, dass es wenig oder überhaupt nicht von einer Krise be-troffen sein wird. Einer der Hauptgründe für diese Einschätzung ist, dass zahlreiche Manager aus der mittelständischen Industrie bereits Erfahrungen mit wirtschaftlichen Schieflagen sammelten – und entsprechend gegensteuern mussten.

Der Lerneffekt daraus: Immerhin sechs von zehn Unternehmen bereiten sich vor und spielen regelmäßig Krisenszenarien und mögliche Gegenmaßnahmen durch.

Predictive Restructuring – Der Blick nach vorn

Die klassische, auf Krisen reagierende Restrukturierung ist heute nicht mehr ausreichend, schließlich ist die nächste industrielle Revolution bereits in vollem Gange. Rund 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen erwarten für das kommende Jahrzehnt starke Veränderungen für ihre Betriebe und fast in jedem zweiten Unternehmen herrscht ob der anstehenden Umbrüche Verunsicherung. Mit gutem Grund, wie der von Staufen ermittelte „Change Readiness Index“ (CRI) zeigt. Die Umfrage unter 421 Führungskräften deutscher Unternehmen belegt, dass die wenigsten Betriebe aktuell dazu in der Lage sind, sich selbst neu zu erfinden. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Manager die Wandlungsfähigkeit ihres Unternehmens überschätzen. Die Realität hinkt der Selbstwahrnehmung hinterher.

Mit dem Laden der Ansicht akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Yumpu. Mehr erfahren

Bleiben Sie auf
dem aktuellen Stand.

Zum Newsletter anmelden